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Artikel der Handelszeitung vom 17.02.2010 - Von Georg Hofmann

Griechischer Wein findet mehr Liebhaber

Investitionen in die Kellertechnik und die Weinberge haben für eine höhere Qualität gesorgt
Die Exportzahlen steigen. Jetzt sollen Marketinganstrengungen für zusätzliche Abnehmer im
Ausland sorgen.

Kaum ein anderer Wein verfügt über eine derart lange Historie wie der griechische Rebensaft. Schon
vor Jahrtausenden fand das Getränk im Mittelmeerraum einen reissenden Absatz. Der griechische Wein-
gott Dionysos begründete gar einen klassischen Trinkkult, der bis ins Mittelalter aufrechterhalten blieb.
Der Übergang zu den neuzeitlichen Anbaumethoden gelang den Griechen allerdings nur mit Verspätung.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die einheimische Weinindustrie zu einem wirtschaftlichen Faktor.
Der vielbesungene «griechische Wein» war in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts nichts anderes
als der harzgewürzte Retsina. Der Weisswein mit dem eigenwilligen Geschmack war zuvor nie ein her-
ausragender Tropfen, doch der aufkommende Tourismus veränderte dies grundlegend. Die Feriengäste
identifizierten den Retsina, verabreicht vom Fass, als den griechischen Rebensaft schlechthin. Trotzdem,
zum Exportgut taugte der Wein lange nicht.

Klare herkunftsregeln

Als vor gut 40 Jahren der erste Rebberg mit Cabernet Sauvignon bepflanzt wurde, markierte dies den
Start für exportfähige Weine. Wenig später kam ein Gesetz mit klar definierten Qualitäts- und Herkunfts-
regeln dazu. Der studierte Chemiker George Anagnostopoulos testet heute in seinem Weinlabor im Her-
zen von Athen unzählige Produktmuster aus dem ganzen Land auf ihre Charakteristiken: «Wer seineWei
ne erfolgreich vermarkten will, der braucht das Gütesiegel von einem unabhängigen Tester.» Vor allem
die mittleren und kleineren Produzenten verfügen meist über kein eigenes Labor. Von diesen Häusern
stammen aber oft hochwertige Weine, die im Ausland immer mehr Anklang finden. «Die Konsumenten
suchen neue Geschmacksrichtungen», stellt Weinexperte Anagnostopoulos fest. Das eröffnet den fort-
schrittlichen Rebbauern zusätzliche Absatzchancen. Wenn die Touristen jetzt wieder Geschmack an den
modern gekelterten Rebsäften finden, fragen sie in ihren Heimatländern nach diesen speziellen Weinen
aus Griechenland nach. Nicht umsonst ist die Weinausfuhr in die Schweiz im letzten Jahr markant gestie-
gen.

Die gängigen Weine stammen von den Inseln im ägäischen und ionischen Meer, speziell aus Kreta, Rhodos,
Samos und Santorini, dem Peloponnes sowie vom griechischen Festland. Die Produkte aus dem gebirgigen
Norden werden häufig epxortiert. Die Böden sind in dieser Gegend für den Rebbau besonders geeignet.
«Das sorgt für eine hohe Qualität», meint George Anagnostopoulos.

NISCHENMÄRKTE

Die Vielfalt der griechischen Weine hat nicht nur Vorteile, sondern kennt auch ihre Schattenseiten. Es gibt
die bekannten Markennamen nicht, wie sie für die auf industrieller Basis produzierten Massenerzeugnisse
etwa aus Australien, Chile oder Südafrika typisch sind. Weinkenner sind jedoch der Ansicht, die qualitativ
hochwertigen Produkte von griechischen Trauben würden international ihre Nischenmärkte finden, speziell
im Segment der kaufkräftigen Konsumenten.

Mit Förderbeiträgen der EU wurde jüngst in die Kellertechnik und die Weinberge investiert. Nicht die Quan-
tität, sondern die Qualität steht bei solchen Bereinigungen im Vordergrund. Während vor zehn Jahren fast
die doppelte Weinmenge produziert wurde, waren es 2009 gerade noch 4 Mio Hektoliter. Das hängt auch
damit zusammen, dass sich der inländische Konsum in den vergangenen Jahren laufend vermindert hat.
Jetzt richten sich die Anstrengungen verstärkt auf das Marketing beim Weinexport aus. Die bevorzugten
Rebsorten wie Moschofilero, Agioritiko oder Mavrodafni haben im Ausland ihre Liebhaber gefunden.